Dossier

Erfolgsfaktor Verantwortung

Norbert TaubkenNorbert Taubken
(Foto: privat)

Gesellschaftliches Engagement von Unternehmen bringt ungleiche Partner zusammen. Nicht nur in Größe und Reichweite unterscheiden sich Konzerne von gemeinnützigen Projekten – auch ihre Interessenlagen haben auf den ersten Blick wenig gemeinsam. Dass beide Parteien gleichermaßen profitieren, wenn eine Partnerschaft auf Augenhöhe gelingt, davon ist Norbert Taubken, Business Director bei Scholz & Friends Reputation, überzeugt.

Warum lohnt sich gesellschaftliches Engagement für Unternehmen?

Ein Unternehmen wirtschaftet in einem Umfeld, das von Beziehungen lebt. Diese müssen gestaltet werden. Das betrifft die eigenen Mitarbeiter, die Zulieferer und Vertragspartner und natürlich die Kunden. Über diese unmittelbaren Kontakte hinaus gibt es eine Reihe weiterer Anspruchsgruppen: Politik und Regulierungsbehörden, die Rahmenbedingungen für Unternehmertum festlegen. Schulen und Universitäten, die die zukünftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausbilden. Träger des kulturellen und sozialen Leben der Stadt, in der sich Mitarbeiter wohlfühlen wollen. Damit sich gesellschaftliches Engagement aus Sicht des Unternehmens »lohnt«, gilt es aus der Fülle möglicher Themen und Projektpartner diejenigen herauszufiltern, die für das Unternehmen besonders wichtig und damit geschäftsrelevant sind.

Wie müssen gemeinsame Projekte angelegt sein, damit sie auf Dauer Erfolg haben?

Gesellschaftliches Engagement verändert sich zunehmend weg von kurzfristigen Aktivitäten hin zu langfristigem Engagement. Dieser Trend spiegelt die strategische Bedeutung, die Engagementprojekte heute zukommt. Zivilgesellschaftliche und politische Partner werden dabei als Kompetenzträger zwingend benötigt. Erfolgreich sind solche bi- oder trisektoralen Partnerschaften dann, wenn zum einen ein signifikanter Lösungsbeitrag erzielt wird, zum anderen wenn in der Grundkonzeption ein Abwägen der Interessen aller Partner stattfindet. Letztendlich müssen alle Beteiligten von dem Projekt profitieren und profitieren dürfen – auch die Unternehmen.

Ist CSR nur etwas für große Unternehmen?

Der Begriff »Corporate Social Responsibility« ist auf europäischer Ebene durch das CSR-Grünbuch gesetzt worden. Folglich arbeiten viele multinationale Unternehmen mit diesem oder mit dem umfassenderen »Corporate Responsibility«. Selbstverständlich wird auch ein Mittelständler heute eine Position zu seiner »Unternehmensverantwortung« haben. Häufig ist diese aber nicht in Form eines eigenen Leitbildes verschriftlicht. Beim Kern von CSR, dem verantwortungsvollen Handeln, sind viele Mittelständler seit Langem vorbildlich. Dieses betrifft auch das gesellschaftliche Engagement. Dieses in einen strategisch deutlicheren Rahmen einzubetten, ist die Leistung von CSR. Und damit ist CSR hoch relevant für kleine und mittlere Unternehmen. Es wird hier aber sicher nicht von eigenen CSR-Abteilungen mit hohen Budgets und eigenem Personalstamm entwickelt werden.

Welche Rollen können Stiftungen als Mittler zwischen beiden Welten spielen?

Unternehmenstragende Stiftungen haben den Vorteil, dass sie die Spielregeln aus der Welt der Wirtschaft kennen. Sie verstehen daher die Interessen von Unternehmen, wenn diese gesellschaftlich aktiv werden wollen. Gleichzeitig gestalten sie einen Teil der Zivilgesellschaft, haben oft ein hohes Knowhow und umfassende Netzwerke in ihrem Themenbereich. Dass sie rechtlich vom Unternehmen unabhängig sind, macht ihr Engagement krisensicher und die Stiftung gleichzeitig zu einem verlässlichen und langfristigen Partner. Aber auch alle anderen Stiftungen können als unabhängige Institutionen sehr gut beiden Welten vernetzen und durch ihr eigenes Interesse, die Ausweitung von Engagement und gesellschaftlicher Verantwortung , diese Verbindungen mit gestalten.

MANFRED CONFURIUS, Jacobsen + Confurius, DR. KLAUS WEHMEIER, Körber-Stiftung, und VOLKERT RUHE, Gefangene helfen Jugendlichen e.V. JACOBSEN + CONFURIUS und GEFANGENE HELFEN JUGENDLICHEN E.V. sind Partner für das Projekt »Gefangene helfen Jugendlichen«
 
MANFRED CONFURIUS, Jacobsen + Confurius, DR. KLAUS WEHMEIER, Körber-Stiftung, und VOLKERT RUHE, Gefangene helfen Jugendlichen e.V.
(Foto: Achim van Gerven)